Wort zum Samstag, 9.1.2021: Getrieben oder antriebslos?

Was sind das nur für Zeiten? Und wie wird das weitergehen? Unser ganzer Alltag ist auf den Kopf gestellt. Wir sind ausgebremst. Was kann man gerade überhaupt noch groß unternehmen? Die Tage plätschern nur so dahin. Manch einer ist dadurch so richtig antriebslos geworden.

Andere dagegen fühlen sich getrieben von der Menge der Aufgaben und Anforderungen. Verantwortungsträger werden ständig mit neuen Regeln und Verordnungen konfrontiert, die sie umsetzen sollen. Dann die bange Frage: Wie bekomme ich meinen Betrieb möglichst gut durch die Krise? Ganz zu schweigen von den Getriebenen in der Pflege. Oder die zahlreichen Menschen auf den Gesundheitsämtern, die schon seit Monaten am Limit sind. Oder die, die unverschuldet in Existenznöte geraten sind. Oder die, die nun zu Hause ihren Lieben was bieten müssen, um sie bei Laune zu halten. Getriebene!

Aber nicht selten sind wir es selbst, die uns zu Getriebenen machen. Wir selbst stellen Ansprüche an uns, die uns schlicht überfordern. Ich will gut ankommen bei den Freunden oder dem Chef. Ich selbst will mir was beweisen in Familie und Beruf, will gut dastehen vor mir selbst und anderen, will es zu was bringen. Getriebene!

Auf welcher Seite stehen Sie gerade: antriebslos oder getrieben?

Im Wochenspruch für die kommende Woche heißt es: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder! (Römerbrief 8,14)

Gott sei Dank ist hier nicht die Rede von einem zusätzlichen Stresstreiber. Ganz im Gegenteil, es geht darum, dass ich ganz neu entdecke, wer ich wirklich bin - mit allen Schwächen und Stärken, bei allen eigenen wie fremden Anforderungen, egal wie gut ich ihnen entspreche: Ich bin ein geliebtes Kind Gottes.

Wo ich eher deprimiert und antriebslos bin, darf ich mir zusprechen lassen: Du bist ein geliebtes Kind Gottes. Für Gott bist du wertvoll. Gott traut dir was zu!

Wo ich vom Stress getrieben bin, darf ich hören: Du bist nicht allein. Gott sorgt sich um dich, weil du sein geliebtes Kind bist. Du darfst runterkommen. Du darfst dir Defizite und Fehler eingestehen.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns - in unserer aus den Fugen geratenen und so umtriebigen Welt - vom Geist Gottes neu inspirieren und antreiben lassen. Er ist der beste Motor und Taktgeber für unser Leben.

Setze dich dem Geist Gottes aus, lies die Bibel, höre eine Predigt, bete und lass dir vom Geist Gottes immer wieder neu sagen: Werde, was du bist: Ein freies und geliebtes Kind Gottes. Frei zum herzlich vertrauenden Glauben, frei zur unverzagt tätigen Liebe, frei zur immer neuen Hoffnung für dich und für alle anderen Menschen.

Alexander Schweizer, Pfarrer in Simmersfeld