Wort zum Samstag, den 12.6.2021: »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen«

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Szene, die Sie auf dem Foto sehen können, ein Detail am Hochaltar im Kloster Neuzelle, lässt mich schmunzeln:
Da scheinen sich zwei Engel über Gott zu unterhalten. Ganz so, wie wir das auch machen. Wir tauschen uns darüber aus, wie wir Gott erlebt haben. Oder wir sprechen darüber, dass wir ihn gerade absolut nicht verstehen. Vielleicht grübeln wir manchmal, wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist sowohl drei Personen sein können und zugleich doch nur ein Gott sind.
Mit diesem Thema beschäftigen sich wohl diese Engel. Das Dreieck, das der eine dem anderen zeigt, ist ein Symbol für den Dreieinigen Gott. Der Engel, der sich an den Kopf tippt, will vielleicht sagen: „So ein Dreieck ist ein ziemlich ungenügender Versuch, Gott zu verstehen. Doch vermutlich können es die Menschen nicht besser.“
Jemand hat einmal gesagt: „Die Dreieinigkeit ist ein so großes göttliches Geheimnis, dass wir viele Sonntage benötigen, um darüber nachzudenken.“ Uns braucht es also nicht zu überraschen, wenn wir Gott nicht verstehen können. Was wäre das auch für ein Gott, den wir ganz durchschauen könnten? Es liegt in der Natur der Sache, wenn uns Gott oftmals rätselhaft vorkommt.
Damit bei uns nicht nur lauter Fragezeichen bleiben, ist uns Gott entgegengekommen. Er ist Mensch geworden. Ein Gott zum Anfassen. Doch selbst die Leute, die damals seine Schüler wurden und mit ihm unterwegs waren haben immer wieder festgestellt: Er ist anders. Er geht andere Wege, als wir sie gehen würden.
Und so ist es bis heute. Da bestimmt dieses Virus immer noch unser Leben. Wir fragen uns: Könnte Gott nicht…? Er könnte. Doch er entscheidet offensichtlich anders. Er ruft uns in Jesus mit all unseren Fragen und Vorstellungen zu sich: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch Ruhe geben“ (Mt 11,28).
„Kommt her zu mir“, darum geht es jeden Tag unseres Lebens. Bleibe ich bei dem stehen, was ich von Gott denke, möchte und erwarte? Oder lasse ich mich von Jesus rufen? An ihm können wir sehen, wie Gott ist. Und vielleicht fassen wir uns dann wie der Engel an den Kopf, weil wir merken: Gottes Blick reicht so viel weiter als unserer. Seine Pläne sind so viel größer. Und seine Liebe übertrifft alles
Deshalb können wir ihm unser Leben anvertrauen und dadurch Ruhe finden.
Und so wünsche ich Ihnen einen ruhigen, in Gott geborgenen Sonntag!

Pfarrerin Elke Hahn, Neubulach