Wort zum Sonntag, den 25.10.2020

»BIS ES GUT IST« – von Dekan Erich Hartmann, Calw

Was ist gut? Eigentlich wissen wir das: gut wäre, was nicht nur mir, sondern auch anderen hilft.

Gut wäre alles, was nachhaltig ist, Ressourcen schont und für die Zukunft hilfreich ist.

Gut wäre, wenn wir heute schon an morgen denken und nicht nur in den Tag hinein leben.

Eigentlich wissen wir das. Aber handeln wir uns so?

Da posaunt einer der wichtigsten Führer auf der Welt laut heraus: America first! Und wir machen es im Kleinen nicht viel anders: erst komme ich – und dann ganz lange nichts.

Wir wissen, dass die Ressourcen auf der Welt endlich sind und junge Menschen müssen uns daran erinnern, dass wir die Welt von ihnen nur geliehen haben. Trotzdem geschieht viel zu wenig, um das Klima und damit diese Welt zu bewahren.

Auf den griechischen Inseln sind tausende Flüchtlinge gestrandet, die in ihren Heimatländern nur das nackte Leben retten konnten oder die in Europa einfach eine bessere Perspektive für sich suchen. Natürlich können nicht alle zu uns kommen. Aber die, die jetzt einmal da sind, brauchen Hilfe.

Eigentlich wissen wir, was gut ist.

Der Prophet Micha im Alten Testament hat es auf den Punkt gebracht: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott!“ Noch ein wenig präziser übersetzt heißt es: Gerechtigkeit tun, Freundlichkeit lieben und behutsam mitgehen mit deinem Gott.

Das ist der Wochenspruch für die neue Woche.

Gerechtigkeit üben, freundlich miteinander umgehen und sich an Werten orientieren, die das Leben lebenswert machen für alle. Das wäre doch eine großartige Haltung. Sich von Gott an die Orte führen lassen, die er uns zeigt. Um dort zu helfen, um einzutreten für Schwache und Notleidende.

Wir leben in schwierigen Zeiten. Manche sagen: in der tiefsten Krise seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Eine Pandemie schüttelt unser Leben, unseren Alltag durcheinander. Und wir wissen noch lange nicht, wie es enden wird.

Aber sich auch in diesen Tagen ein Herz bewahren für die, denen es noch viel schlechter geht als uns selbst, das wäre wichtig. Und sich darauf zu verlassen, dass wir – auch wenn wir vieles nicht mehr in Händen haben – trotzdem in der Hand dessen sind, der uns auch in diesen schwierigen Zeiten nicht alleine lässt. Gott ist da. In seiner Hand bleiben wir geborgen. Und er geht mit.

Noch ist vieles nicht gut. Aber auch kleine Schritte führen zum Ziel. Gehen wir also los. Schritt für Schritt. Bis es gut ist!